Mitte April feierte das Bundesland Niederösterreich Abschied und Ankunft zugleich. Mochte man vorher noch glauben, die kalendarische Nähe zum christlichen Osterfest sei zufällig entstanden, wird spätestens im Dankgottesdienst für den scheidenden Landeshauptmann klar: Der Heiland war, ist und bleibt in unserer Mitte.

Der "Kopftuch-Sager" ("Wir werden alle Frauen bitten müssen, das Kopftuch zu tragen - aus Solidarität mit jenen, die das aus religiösen Gründen tun (wollen)") des österreichischen Bundespräsidenten Alexander van der Bellen hat in den vergangenen Tagen hohe Wellen in den sozialen, aber auch in den klassischen Printmedien geschlagen. Das Niveau: Überraschend hitzig, plakativ und großteils argumentbefreit. Reflexartig schossen die Anschuldigungen aus dem Boden: Sexismus, Unterdrückung der Frau, Kulturrelativismus – das alles würde VdB mit solchen Aussagen fördern. Bombardiert wurde er zum einen von jenen, die solche Erfahrungen gar nicht kennen können (österreichische Männer, akademisch gebildet, bürgerlich sozialisiert und großteils aus dem christlich-konservativen Milieu), aber auch von (ehemals) muslimischen Frauen, die in seinen Aussagen eine Verharmlosung der Unfreiheitssituation von Frauen im Islam sehen.